In der Bibel gibt es Bücher, die nicht zum festen Schriftenkanon gehören. Das Buch der Weisheit ist eines davon. In einem Gebet deutet das Volk Israel seinen Bund mit Gott als Erfolgsgeschichte. Am Ende steht der Dank für Gottes Beistand.
Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
Weisheit 11,24-26

Momente, die staunen lassen: Vor einem Berg stehen und seine Größe bewundern. Eine Blume in der Hand halten und ihre grazile Schönheit bestaunen. Einem Kind begegnen und in seiner Verletzlichkeit das Wunder des Lebens erahnen.
Im Staunen wohnt eine Erfahrung, die jede Wahrnehmung übersteigt. Alles ist da und zeigt sich als Wunder. Selbstverständlichkeiten lösen sich auf und werden zu Fragen: Wo kommt das her? Warum ist etwas da? Was ist sein Sinn?
Die Verse aus dem Weisheitsbuch sind wie eine Antwort. Hinter allem steht ein Gott, der alles aus Überfluss und Liebe ins Dasein gerufen hat. Alles gründet in jenem Anfang, den Gott gesetzt hat.
Diese Zusage Gottes ist wie ein Lichtstrahl, der die Dunkelheit für einen Augenblick erhellt. Auch wenn ein solcher Lichtstrahl mehr erahnen lässt, als er eröffnen kann, so verwandelt er doch Dunkelheit in Geborgenheit, Fremdheit in Heimat. Die ganze Welt wird zur bergenden Heimat, weil sie getragen ist von der schöpferischen Liebe Gottes.
Die Feier der Weihnacht wird diesem wunderbaren Gedanken eine weitere Nuance hinzufügen. Im Säugling von Bethlehem ist die Zuneigung Gottes zur Welt erschienen. In ihm zeigt Gott sich bereit, nicht nur erhellendes Licht zu schenken, sondern mehr noch die bedrohlichen Dunkelheiten zu tragen. Seit Weihnachten zeigt sich der Freund des Weisheitsbuches als ein Liebhaber des Lebens. Alles existiert weiter, weil Gott sein „Ja“ des Anfangs durchhält und in jedem Augenblick, in jedem Atemzug weiterspricht: Ich will, dass es das gibt! – Ich will, dass es Dich gibt!

