Denn uns ist ein Kind geboren, / ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; / man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, / Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.
Seine Herrschaft ist groß / und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; / er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, / jetzt und für alle Zeiten. Der leidenschaftliche Eifer des Herrn der Heere / wird das vollbringen. (Jesaja 9,4-6)

„Schrecklich immer, auch in gerechter Sache, ist Gewalt“, schreibt Friedrich Schiller in seinem Schauspiel „Wilhelm Tell“.
Dies wäre auch ein passender Untertitel für das Buch Jesaja, aus dem eine bedingungslos-leidenschaftliche Sehnsucht nach Frieden und Völkerverständigung spricht: Alles, was dazu dienen könnte, einen Krieg vorzubereiten und durchzuführen, soll zerstört werden. Dies ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dem verheißenen Messias den Weg zu bereiten. Kein ruhmreicher, glanzvoller Krieger, sondern ein wehrloses Kind steht am Anfang dieser Friedenszeit. Nicht Waffen, sondern Gerechtigkeit sind prägend für sein Reich, nicht Befehl und Zwang, sondern ratende Rede, die auf Einsicht und Freiwilligkeit vertraut. Jede wirklich tiefe Begegnung mit diesem göttlichen Kind befreit von Herrschaftsstreben und Eroberungsdrang.
Auf Jesu Schulter liegt alle Macht, denn dort ist sie am besten aufgehoben und am sichersten verwahrt. Er, der König des Friedens schüchtert nicht ein, macht nicht klein, sondern tröstet, stärkt, heilt und richtet auf– selbst Fremde und Andersgläubige.
Auch dazu gehören Tapferkeit und leidenschaftlich-unermüdlicher Einsatz.
Denn Frieden zu bewahren oder herbeizuführen, ist anstrengend und kräftezehrend sein, bisweilen sogar gefährlich. Doch die adventliche Vision der Völkervereinigung, welche auch in der vierten Strophe von „Stille Nacht, heilge Nacht“ aufleuchtet, ist auf diesem -riskanten Weg ein nie erlöschendes Licht.
