Der Gerechte kommt um, doch niemand nimmt es sich zu Herzen.
Die Frommen werden dahingerafft, doch es kümmert sich niemand darum. Weil das Unrecht herrscht, wird der Gerechte dahingerafft. Aber er gelangt zum Frieden.
Jes 57,1f
Wisst ihr nicht, dass die Biene sterben muss, wenn sie mit ihrem Stachel andere verwundet? Durch dieses Tier lehrt uns Gott, dass wir unseren Mitmenschen nicht kränken sollen, weil wir uns dadurch selbst den Tod zuziehen würden.
Dem Mitmenschen würden wir vielleicht durch unsere Rache lediglich einen unbedeutenden Nachteil zufügen, uns selbst aber – ähnlich wie die Biene – das Leben (der Seele) nehmen.
Zwar wird dieses Tier in der heiligen Schrift sogar sehr gelobt, denn es heißt: „Wie arbeitsam ist die Biene!“ Zwar gewährt ihr Produkt als Heilmittel großen Nutzen – dem König wie dem Armen. Aber dessen ungeachtet schützt sie nichts vor dem Tode, sie muss sterben. Können nun diesem Tiere seine sonstigen Vorzüge nichts nützen, falls es etwas Unrechtes tut, so noch viel weniger uns die unsrigen.
Denn jemand ein Leid zufügen ohne alle Veranlassung, das tun allenfalls die allerwildesten Tiere, und auch diese nicht einmal; denn wenn man sie in der Einöde ruhig weiden lässt, sie nicht verfolgt oder zur Notwehr zwingt, so tun sie niemandem ein Leid, greifen niemanden an, beißen niemanden, sondern gehen ruhig ihres Weges.
Nur der Mensch, ein mit Vernunft begabtes und mit so großer Vollmacht, Ehre und Würde ausgestattetes Geschöpf, nur er macht es oft noch viel ärger als das Tier gegen seine eigene Gattung.
Er fügt seinem eigenen Bruder Unrecht zu und richtet ihn zugrunde. Und was kann er zu seiner Entschuldigung vorbringen?