
Kolosser 3, 12-17
Ich soll „heilig“ sein? Und dann noch „auserwählt“?
Da setzt Paulus ja große Hoffnungen in uns. Wenn ich mir anschaue, was ich so alles veranstalte und anderen in meinem Umfeld zumute. Da soll ich „heilig“ sein?
Jemand „Heiliges“ ist nach landläufigem Verständnis ja eher jemand, der in seinem Leben alles richtig macht: Der oder die nicht auch mal lästert, der immer für andere da ist, die sich in der Gesellschaft für Mensch und Natur engagiert, stets vergibt, alle liebt, seine religiöse Überzeugung voll und ganz in jeder Situation lebt und vertritt. Und so einer soll ich sein?
Diese Latte ist doch etwas hoch gelegt für mich.
Die Menschen, die mir bis jetzt in meinem Leben begegnet sind und die ich als „heilig“ bezeichnen könnte, sind zudem alles Personen, die sich meiner Ansicht nach auch nicht das „Heilig-Sein“ als Ziel für ihr Leben gesetzt haben. Wie anspruchsvoll fände ich es, wenn ich mit dem permanenten Ziel durchs Leben gehen müsste, „heilig zu werden“! „Heilige“ sind eher Menschen, die sich diesen „Titel“ nicht selbst erarbeitet und verdient haben, sondern der ihnen zugetragen wurde. Teilweise sind sie sogar durch Zufall zu „Heiligen“ geworden – geplant war es bestimmt nicht!
Das entspricht um vieles mehr auch meinem Bild von der Verletzlichkeit Gottes, die sich in Jesus Christus ereignet hat. Er war nicht dieser „Superman“, der auf die Erde kam – und ich muss es auch nicht sein.
Das Besondere an Gottes Liebe ist doch seine Fähigkeit, mit uns, den Sündern, etwas anfangen zu können und durch uns zu arbeiten, oder?

