
darum habe ich dir so lange die Treue bewahrt.
Ich baue dich wieder auf,
du sollst neu gebaut werden, Jungfrau Israel.
Du sollst dich wieder schmücken mit deinen Pauken,
sollst ausziehen im Reigen der Fröhlichen.
Wieder sollst du Weingärten pflanzen
auf Samarias Bergen.
Wer Pflanzungen anlegt,
darf ihre Früchte genießen.
Jeremia 31, 1-7
Samaria heißt heute Sebastia. Es ist ein Dorf in den palästinensischen Autonomiegebieten. Über 80 Prozent der Bewohner dort sind Palästinenser, es gibt dort nur wenige Juden.
Wer den Text heute hört, der hört die Verheißung an Israel, der denkt an Milch und Honig, das verheißene Land für das Volk der Israeliten. Der denkt aber auch an den Nahost-Konflikt, die Gewalt, das Sterben von Palästinensern und Juden. Geschmückt und fröhlich scheint dort niemand, und Früchte ernten, das ist ohne Gefahr kaum möglich. Die Prophezeiung des Jeremia von Weingärten auf den Bergen Samarias scheint heute in weite Ferne gerückt.
Der Prophet schaut weit hinaus. Er schaut über die Zerstörung des Tempels und die Rückkehr der Israeliten aus dem Exil in eine ferne Zukunft. Er schaut über die Geschichte Israels hinaus, dorthin, wo Gott am Ende der Zeit die Geschicke der Menschen lenkt.
Mit seiner Reich-Gottes-Botschaft schaut auch Jesus über die Zeit hinaus in eine Welt, in der die Weinenden lachen und die Hungernden satt sind. Eine Welt, in der die ewige Liebe Gottes und Treue spürbar ist. „Du sollst neu aufgebaut werden, Jungfrau Israel.“ Der neue Anfang, die Liebe Gottes und seine Treue, gelten sie nun für Israel oder gelten sie der ganzen Welt am Ende, wenn bei Gott alles gut ist? Eine Glaubensfrage.
Für die politische Lösung der Nahostkrise sind die vermeintlichen Antworten des Glaubens bisher sehr zerstörerisch gewesen. Gott macht eben mit seinen Propheten keine Politik für das 21. Jahrhundert. Gott lässt sie mehr schauen als nur politische Lösungen für sein Volk. Er lässt sie, so glauben wir Christen, in die Zukunft der Menschheit insgesamt schauen. Und diese Zukunft wird eine wunderbare sein, ein Reigen der Fröhlichen.

