Das Volk, das im Dunkeln lebt ...

Gedanken zum Tag, 30.11.2025

Mit Licht fängt es an. Alles. Das Leben, die Welt, die Bibel. Es werde Licht! Mit einem feurigen Knall sprengt Gott die Düsternis des Universums, die Welt beginnt zu sein. Und es ward Licht. Ein für allemal spricht Gott das Licht-Wort gegen die Urgewalten der Finsternis...

 

Das Volk, das in der Finsternis ging, / sah ein helles Licht; 
über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, /
strahlte ein Licht auf. 
Du mehrtest die Nation, /
schenktest ihr große Freude.
Man freute sich vor deinem Angesicht, /
wie man sich freut bei der Ernte, /
wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
Jesaja 9, 1-2

 

 

Mit Licht fängt es an. Alles. Das Leben, die Welt, die Bibel. Es werde Licht! Mit einem feurigen Knall sprengt Gott die Düsternis des Universums, die Welt beginnt zu sein. Und es ward Licht. Ein für allemal spricht Gott das Licht-Wort gegen die Urgewalten der Finsternis.

Ein Kind wird geboren. Im Leib der Mutter war es dunkel, aber auch warm. Nun aber erblickt es das Licht der Welt. Es erfährt, dass Leben mehr ist als Schlummern im Verborgenen. Leben bedeutet, seine Formen zu erkennen, in sie hineinzuwachsen: Zunächst, sich zu gewöhnen an Tag und Nacht. Dann,

irgendwann zu merken: Tag und Nacht, Licht und Dunkel, das sind Formen, die auch das innere Erleben prägen. Es gibt Zeiten, da fühle ich mich gut, und die Welt sehe ich im Licht. Das andere aber gibt es auch: Zeiten, in denen ich traurig bin und unsicher.

Licht oder Dunkel, Schwarz oder Weiß. Wenn das nur alles wäre! Auch das spürt das heranwachsende Kind: Das Leben spielt oft dazwischen. Nur selten ist etwas uneingeschränkt gut oder schlecht. Hüpfen und laut schreien ist einfach toll, nervt aber die Mama. Und irgendwann später dann: Mein Nebensitzer im Physikunterricht, wie sehr mag er mich eigentlich? Ist er vielleicht in mich verliebt? Oder denkt er über mich wie über jede andere?

Zwielichtig, grau, im Unklaren. Das ganze Leben kann überschattet werden. Jesaja erzählt: Ein ganzes Volk lebt im Finsteren. Verschleppt aus der Heimat nach Babylon, unterdrückt und ausgebeutet von den Mächtigen. Die Welt um sich herum sehen sie im Dunkel.

Und noch einmal: Gott lässt ein Licht aufstrahlen. Wie am ersten Tag. Zunächst leuchtet es nur zaghaft, als ein Silberstreif am Horizont. Das Volk, von dem Jesaja erzählt, hat es gesehen. Und mit einem Mal war es hell um sie.

 

Mirjam Wild,
Evangelische Landeskirche in Württemberg
Beitrag aus dem Jahr 2011