Engel überall!

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer,
das Gott lobte und sprach:
Ehre sei Gott in der Höhe / und Friede auf Erden /
den Menschen seines Wohlgefallens.
Lukas 2, 13-14
 
 

Buchläden haben für mich immer etwas Verlockendes – so viel Ungelesenes, so viel Spannendes und Unbekanntes. Gerne gehe ich in Buchläden und suche dort meistens die Ecke mit den theologischen Büchern auf. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass die Theologie-Regale oft zugunsten anderer Themen zunehmend in sich zusammenschrumpfen. Einerseits schade – andererseits: Verkauft wird, was gefällt und was anspricht.
 
Etwas erstaunt bin ich über die dafür immer größer werdenden Regale, auf denen groß „Engel“
geschrieben steht. Man findet darin alle möglichen Engel-Bücher, und so manche hübsche oder kitschige Engelfigur oder Engelkalender in allen Größen und Ausführungen.
Aber nicht nur in den Buchhandlungen begegnen mir immer öfter Schutzengel – auch in der Werbung oder auf Postkarten. Offensichtlich gibt es ein ausgeprägtes Bedürfnis danach, dass jemand auf uns aufpasst, der dieser Welt irgendwie enthoben ist, der aus einer anderen Wirklichkeit kommt.
 
Im Weihnachtsevangelium erscheint den Hirten auf dem Feld ein „Engel des Herrn“. Dann plötzlich umgibt ihn ein ganzes himmlisches Heer. Um Schutz geht es hier nicht und diese Engel-Wesen sind bestimmt auch keine der eben beschriebenen, oft verkitschten Engel. Vielmehr sind es Boten, die Gott mit einer wunderbaren Botschaft zu den Menschen sendet. Durch sie lässt Gott nicht weniger als seine eigene Geburt als Mensch verkünden! Gibt es eine wichtigere und schönere Nachricht?
 
Wie auch für seine Geburt in einem einfachen Stall ohne Prunk und Protz – vermeintlich völlig ungöttlich, ja ohnmächtig – wählt Gott keine Könige oder Herrscher aus, denen er seine Menschwerdung kundtut.
Diese Botschaft geht raus an ein paar Hirten, die im Freien umherziehen und ohne festen Wohnsitz von der Hand in den Mund leben – an ganz einfache Menschen also, die mit ihren Schafen mal hier, mal dort lagern.
Wer sind sie schon? Was haben gerade sie mit dem Neugeborenen zu tun?
 
Und doch spricht Gott, durch seine himmlischen Heerscharen, die Hirten ganz persönlich an. Er macht sich damit für den ganz einfachen Menschen zugänglich und wird direkt erfahrbar. In diesem Sinn solidarisiert er sich mit ihnen und wird – auch weil er in aller Einfachheit zur Welt kommt – einer von ihnen, und eben kein erhabener Herrscher, zu dem wir Menschen aufschauen müssen.
 
Für mich sind diese Engel nicht nur die Botschafter für die Geburt Gottes. Ihre Botschaft ist eine Botschaft der Einfachheit, denn sie verkünden, dass Gott sich durch sie dem einfachen, dem alltäglichen Leben zuwendet. Darum stehen diese Engel für mich für die Erfahrung, dass ich einem Gott vertrauen darf, der bei mir ist und mich so annimmt, wie ich bin.
 

Sebastian Scotti

Pastoralreferent in der Kath. Kirchengemeinde Weil am Rhein,
Erzbistum Freiburg
 
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