Welche Grundhaltung habe ich?
"Maria ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib."
(Lukas 1,40-44)
Die Hand auf dem gewölbten Bauch, den Blick versonnen nach innen gerichtet, so stelle ich mir Elisabet vor.
Was für ein Wunder! Im Alter erlebt sie das Glück der Schwangerschaft.

Und nun kommt ihre Verwandte, die junge Maria und das Kind in ihrem Leib regt sich. Ein Gefühl, eine innere Stimme, ein Gedanke - Elisabet vertraut dem was sie wahrnimmt und lässt ihrer Freude freien Lauf. Überschwänglich preist sie die schwangere Maria denn sie weiß um die Besonderheit des Kindes in deren Leib.
Elisabet, eine Frau, die „nach innen hört“, eine Frau, die wie ihre Verwandte Maria, der Botschaft Gottes vertraut. Ohne Wenn und Aber.
Sie braucht keinen Beweis. Sie zweifelt nicht. Sie überschreitet ohne zu zögern Traditionen der Namensnennung und gibt ihrem Kind den Namen den der Engel ihrem Ehemann Zacharias aufgetragen hat: Johannes, Gott ist gnädig.
Die Gnade Gottes erlebt sie in diesem Augenblick. All den Spott und die Häme der Vergangenheit kann sie hinter sich lassen. Selbstbewusst und aufrecht tritt sie für das ein, was sie als Gottes Auftrag verstanden hat.
Ich bewundere diese Frau: ihre Fähigkeit zu hören, ihren Mut, ihr Vertrauen, ihr Eintreten für ihre Überzeugung.
Diese Haltung wünsche ich mir für den Advent. Ich wünsche sie mir für mich selbst, aber auch für Sie!
Innehalten und still werden. Die Geistkraft wirken lassen. Die leise Stimme Gottes wahr- und ernstnehmen. Gott mehr zutrauen als ich mir vorstellen kann. Einkalkulieren, dass Gott Grenzen und gesellschaftliche Normen überwindet. Vertrauen, dass er einen Plan mit mir hat.
Selbstbewusst eintreten für das, wovon ich überzeugt bin ohne andere klein zu machen.
JA sagen wie die beiden Frauen, Elisabet und Maria.
So auf Weihnachten zugehen und erleben: Gott kommt. Er kommt zu denen die ausgestoßen, verachtet, kleingemacht werden.
Gott kommt. Auch zu mir. Maritta Lieb

Gemeindereferentin SE Sigmaringen, Trauerpastoral
