Von der Umkehr
Gedanken zum Tag, 14.12.2025
Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen,
sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt,
dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?
Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt,
und meint nicht, ihr könntet sagen:
Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch:
Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen.
Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt;
jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt,
wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr.
Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert,
ihm die Schuhe auszuziehen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand;
er wird die Spreu vom Weizen trennen
und den Weizen in seine Scheune bringen;
die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Matthäus 3, 7-12
Es ist eine sperrige und so gar nicht besinnliche Botschaft, die Johannes der Täufer uns hier präsentiert:
"Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!" ruft Johannes denen entgegen, von denen er annehmen muss, dass es ihnen mit der Veränderung, der Umkehr nicht ernst ist, die nur "so tun als ob". Mit eindeutigen und zornigen Worten entwirft er, was ihnen droht, wenn sie es nicht radikal umkehren und ihr Leben in den Dienst Gottes stellen. Und dies mit sichtbaren Ergebnissen, dieser Frucht nämlich, die die Umkehr zeigt. Und dieser Auftrag gilt allen - auch Abrahams Kinder sollen nicht meinen, sie könnten sich zurücklehnen.
Wir würden aus unserer Erfahrung heute vielleicht sagen, "an ihren Taten sollt ihr sie erkennen", und meinen, dass es eben nicht genug Taten gibt. Wir erleben, dass es so viel einfacher ist, große Reden zu halten und sich öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen, als Verantwortung für sich und das eigene Handeln zu übernehmen. Und wir meinen damit oft "die anderen", die "Verantwortlichen", die "großen Tiere" - die scheinbar so viel mehr ausrichten könnten als wir selbst. Und genau hier sollten wir noch einmal genau hören, was Johannes sagt. Seine unbequeme Botschaft ist: Mit dem sprichwörtlichen "guten Willen" ist es nicht getan. Ihr müsst schon mehr wagen, dürft es euch nicht zu einfach machen, die Verantwortung anderen zuschieben.
Eine Botschaft, die nicht so recht in die besinnliche Stimmung der Adventszeit passt? Was soll hier die Frage nach der Umkehr, die Frucht bringen soll? Und überhaupt sind wir alle doch ohnehin schon gestresst genug; bringt dieser Auftrag, sich noch mehr anzustrengen nicht einfach noch mehr Druck? Vielleicht nicht. Denn vielleicht lädt dieser Auftrag dazu ein, sich wieder neu bewußt zu machen, auf was es wirklich ankommt. "Wo stehe ich gerade?" - dann kann Umkehr im "Anhalten!" bestehen, für eine, die immer in Bewegung ist. Oder sie kann "Losgehen!" bedeuten, für einen, der immer zögert. Je nach dem, wie das ehrliche persönliche Resümee der Einzelnen aussieht, birgt "Umkehr" eine ganz eigene Einladung an jede und jeden.
Doch das ist noch nicht alles: Die Frucht der Umkehr soll nicht allein in der persönlichen Besinnung liegen. Das wäre den drastischen Worten Johannes des Täufers nicht angemessen. Vielmehr sollen wir immer wieder überprüfen, ob wir unsere Fähigkeiten und unsere Kraft dort einbringen, wo sie auch anderen nützt. Ob in der Politik, in der Familie, im Ehrenamt: meine Verantwortung als Christin und Christ ist gefragt. Insofern ist Johannes' Botschaft tatsächlich unbequem und aufrüttelnd: Auch als "gute Christinnen und Christen" sollten wir nicht meinen, wir könnten uns zurücklehnen. Aber wir können der Einladung zur Umkehr folgen. Es lohnt sich.
Nicole Buchholz
Erzdiözese Freiburg
Beitrag aus dem Jahr 2008
