Alles anders

Impuls für den 24.12.2019

Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

Andere Umstände: Maria hatte schon davon gesungen, als sie noch „in anderen Umständen“ war. Schwanger mit einem Kind, das ihr kurz vorher vom Engel als Heiland der Welt angekündigt wurde. Sie ahnt, dass er Großes vor sich hat: „Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen“ (Lukas 1,52-53).

An Weihnachten wird es nun offenkundig: Gott kommt in diese Welt. Und macht von Anfang an alles anders. Umstände scheut er dafür nicht. Die Geburt des Heilands findet außerhalb der Komfortzone statt: widrige Umstände stattdessen – ein zugiger Stall, ein improvisiertes Bett. Nicht besser, als es heute viele Menschen haben, die ohne Heimat sind, auf der Flucht oder verarmt durch Krieg und Unrecht.

Gerade darum geht es Gott: da zu sein, wo er am meisten fehlt. Er macht die Notunterkunft zu seinem Wohnort, die Armen zu Gastgebern des Heilands und die Ortlosen zu Verkündern der guten Botschaft. Er gibt Sprache denen, die sprachlos sind, und macht die Starken zu Fürsprechern derer, die keine Stimme haben.

Ja, die Ankunft Gottes in Bethlehem macht wahr, was Maria schon besungen hat. Dieser ganz andere Gott führt ganz andere Umstände herbei: Gott sieht die umso mehr, die von anderen übersehen werden. Das haben die Hirten in dieser Nacht zuerst gemerkt.

Gott nähert sich von unten her. Macht und Größe hinterfragt er. Er hebt dagegen die hervor, die im Schatten stehen. Ein Trost für alle, die sich nicht gesehen fühlen. Ein Ansporn, im Licht von Weihnachten nicht länger zu schweigen. Eine Ermutigung, sich nicht von denen fernzuhalten, denen Leid und Elend widerfahren, an einer Änderung ihrer Umstände mitzuwirken. Und eine Einladung an uns alle, den Heiland der Welt zu empfangen, dort, wo wir schwach und bedürftig sind.

Weihnachtsgebet

Ewiger Gott,
wenn ich dich suche, dann finde ich dich:

Nicht bei den Mächtigen dieser Welt
sondern in deinem Sohn.
In einem Kind,
zart und verwundbar,
neugeboren,
in einer Krippe in einem Stall.

Dein leises Zeichen an die laute Welt.

In diesem Kind wir deine Liebe sichtbar:
Deine Liebe,
die uns im Blick hat
vom Anfang der Zeiten

und uns nicht verloren gibt
bis in alle Ewigkeit.

Danke, Gott!

Amen.

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Quelle: advent-online


Autor / Autorin
Die evangelischen und katholischen Bischöfe in Baden-Württemberg

Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, Evangelische Landeskirche in Baden
Erzbischof Stephan Burger, Erzdiözese Freiburg
Bischof Dr. Gebhard Fürst, Diözese Rottenburg-Stuttgart
Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July, Evangelische Landeskirche in Württemberg

Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de