Unterm Strich

Impuls für den 17.12.2019

Das Ende der Paradieserzählung führt die Mühen des menschlichen Lebens auf den Ungehorsam der Menschen gegenüber Gott zurück.

Zur Frau sprach Gott: Viel Mühsal bereite ich dir sooft du schwanger wirst. / Unter Schmerzen gebierst du Kinder. / Du hast Verlangen nach deinem Mann / er aber wird über dich herrschen.
Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: so ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. / Unter Mühsal wirst du von ihm essen / alle Tage deines Lebens.

Genesis 3,16-17

Quelle: Pixabay

Ich sitze am Schreibtisch. Das Telefon klingelt. Ob ich kommen kann, werde ich gefragt. Wohin? Ins Krankenhaus. Er hatte einen Unfall beim Schneiden der Obstbäume. Jetzt ist er tot.

Für einen kurzen Moment herrscht Schweigen. Dann legen wir auf. Ich steige ins Auto und fahre los.

Als ich eintreffe, sehe ich ihn in seinem Bett liegen die Hände vor der Brust gefaltet. An seiner Seite sitzt seine Frau, sie streichelt ihn. Ich ziehe mir einen Stuhl ran und setze mich ihr gegenüber, setze mich neben diesen Mann, der mit über 70 noch auf Leitern stieg, um ‚seinen Acker zu bestellen‘.

Ich habe keine Scheu ihn zu berühren. Ich nehme seine Hand in meine. Es sind große Hände. Die Finger sind kräftig, die Haut ist rau, die Innenseiten weisen Schwielen und Hornhaut auf. Vorsichtig gleiten meine Fingerkuppen darüber. Diese Hände sind gezeichnet von Jahren körperlich schwerer Arbeit. Das Leben hat seine Spuren hinterlassen, denke ich.

Da greift seine Frau nach meiner Hand und nimmt sogleich die andere Hand ihres Mannes. Wir bilden einen Kreis.

Genau in diesem Moment spüre ich: Das Leben besteht nicht nur aus Mühe, sondern vor allem auch aus Liebe. Wenngleich Anfang und Ende eines Lebens immer mit Schmerzen verbunden sind, bleibt dazwischen viel Platz für anderes.

Ich blicke seiner Frau in die Augen, ihr rinnen Tränen übers Gesicht, dann beginnt sie zu erzählen: von der Hochzeit vor über 50 Jahren, von der Geburt der Kinder, den Enkeln, vom Leben.

Wir erinnern uns gemeinsam und halten uns an den Händen fest, die nicht nur gearbeitet, sondern auch gestreichelt, getröstet und gebetet haben.

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Autor / Autorin
Corinna Seeberger

Pfarrerin, Evangelische Landeskirche in Baden

Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info[at]advent-online[dot].de