Das Buch Jesaja richtet sich an das Volk Israel im babylonischen Exil. Für Jesaja liegt der Grund für die Situation im Fehlverhalten der Israeliten.
Nein, was zwischen euch und eurem Gott steht, / das sind eure Vergehen; eure Sünden verdecken sein Gesicht, / sodass er euch nicht hört.
Denn eure Hände sind mit Blut befleckt, / eure Finger mit Unrecht. Eure Lippen lügen, / eure Zunge flüstert (Worte voll) Bosheit.
Keiner bringt gerechte Klagen vor, / keiner hält ehrlich Gericht. Man stützt sich auf Nichtigkeiten / und stellt haltlose Behauptungen auf; man geht schwanger mit Unheil / und bringt Verderben zur Welt.
Jesja 59,2-4
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Zurückgehende Zahlen bei den Gottesdienstbesuchern. Zunahme der Kirchenaustritte. Man könnte meinen, wir leben in einer Gottesfinsternis.
Da widerspricht der Prophet Jesaja: „Es sind die Vergehen, die zwischen Gott und den Menschen stehen.“, die Vergehen, deren sich jeder einzelne und wir uns als Gesellschaft schuldig gemacht haben. Erst langsam dämmert es uns, was das sein kann. Erst mühsam verstehen wir die Zusammenhänge zwischen dem Elend in der Welt und unserem Lebensstil, zwischen unserem Luxus und dem Klimawandel, zwischen unserem Reichtum und der Armut auf der südlichen Weltkugel, zwischen unserem tagtäglichen Handeln und den Konsequenzen für den gesamten Globus. „Eure Sünden verdecken Gottes Gesicht“, sagt Jesaja. Das ist die wahre Gottesfinsternis: Dass wir unsere Sünden so lange nicht erkannt haben.
„Keiner bringt gerechte Klagen vor, keiner hält ehrlich Gericht“, sagt uns der Prophet. Erst langsam kommen wir in unserem Konsumrausch zu Bewusstsein, verändern hier und da unseren Lebensstil. Vielleicht ist es ja so: „Man stützt sich auf Nichtigkeiten.“ Denn es ist die Suche nach Gottes Angesicht, die uns als erste Aufgabe gegeben ist.
Das Verderben, von dem der Prophet zu uns spricht, liegt in den Vergehen der Vergangenheit, die heute Gottes Angesicht verdunkeln. Da trifft das Wort von der Gottesfinsternis. Echte Reue und Umkehr lassen sein Antlitz wieder neu erstrahlen. Und wie das aussehen kann, erfahren wir an Weihnachten.

