Schaufeln

Gedanken zum Tag, 7.12.2025

Unrecht klar benennen. Nicht still bleiben. Wut und Ohnmacht nicht runterschlucken.

 

Wenn der Frevler sein Schwert wieder schärft, /
seinen Bogen spannt und zielt,

dann rüstet er tödliche Waffen gegen sich selbst, /
bereitet sich glühende Pfeile.

Er hat Böses im Sinn; /
er geht schwanger mit Unheil und Tücke gebiert er.

Er gräbt ein Loch, er schaufelt es aus, /
doch er stürzt in die Grube, die er selber gemacht hat.

Seine Untat kommt auf sein eigenes Haupt, /
seine Gewalttat fällt auf seinen Scheitel zurück.
Psalm 7,13-17

 

„Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“ Dieses Sprichwort haben wir schon als Kinder gelernt. Aber im Lauf des Lebens haben wir wohl alle erfahren, dass es nicht so einfach ist. Wer andern eine Grube gräbt, fügt Menschen Unheil zu. Auch der Psalmbeter erlebt das: Feinde verfolgen ihn mit Schwertern und Pfeilen, Lügen und Anschuldigungen. Worte können verletzen wie Schwerter. Sie dringen tief in die Seele ein und tun körperlich weh. Viele könnten hier eigene Erfahrungen erzählen. Zum Beispiel der Sohn, der den Kontakt zum Vater abgebrochen hat und umgekehrt. Die Mitarbeiterin, die von den Kollegen gemobbt und angeschwärzt wird. Die Schülerin, deren Mitschüler kompromittierende Fotos ins Netz stellen. Soziale Netzwerke machen es modernen ‚Grubengräbern‘ leichter.

Trotzdem: In Psalm und Sprichwort steckt eine tiefere Weisheit. Wenn ich anderen böswillig schade, mag das zu einer kurzfristigen Befriedigung führen. Ich habe mich durchgesetzt, meine Rachegelüste gestillt. Wenn ich jedoch mitmenschlich bin und Mitgefühl habe, dann kann ich Sinn und Erfüllung erleben.

Und wenn mir Böses angetan wird? Der Psalmbeter ermutigt dazu, Unrecht nicht zu verschweigen, sondern es öffentlich zu machen, Wut und Ohnmacht herauszuschreien und Unterstützung zu suchen bei Menschen und bei Gott. Als wehrloses Kind kommt Gott auf die Welt und muss selbst Unheil und Feindseligkeit erleiden. Doch er steht aus der Grube auf, die ihm gegraben wurde. Er ist auf der Seite aller, die Unrecht leiden und sich für Gerechtigkeit einsetzen, dass sie die Macht der Feinde nicht brechen kann.

 

Sabine Kast-Streib
Evangelische Kirche in Baden
Beitrag aus dem Jahr 2019

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Quelle: advent-online