In der Bibel gibt es Bücher, die nicht zum festen Schriftenkanon gehören. Das Buch Judith ist eines davon. Es erzählt von der Unterdrückung des Volkes Israel durch die Assyrer. Die gottesfürchtige Witwe Judit befreit durch ihren tatkräftigen Einsatz ihr Volk aus der Tyrannei und dankt Gott mit einem Lied.
Ich singe meinem Gott ein neues Lied;
Herr, du bist groß und voll Herrlichkeit.
Wunderbar bist du in deiner Stärke,
keiner kann dich übertreffen.
Dienen muss dir deine ganze Schöpfung.
Denn du hast gesprochen und alles entstand.
Du sandtest deinen Geist, um den Bau zu vollenden.
Kein Mensch kann deinem Wort widerstehen.
Meere und Berge erbeben in ihrem Grund,
vor dir zerschmelzen die Felsen wie Wachs.
Doch wer dich fürchtet,
der erfährt deine Gnade.
Judit 16,13-15
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„Unter anderen Umständen“ feiert im Buch Judith die Titelheldin den Sieg ihres Volkes über die Feinde. „Unter anderen Umständen“ hat das Volk Israel den Sieg errungen …
Manch einer erinnert sich an die Gemälde, die das Buch Judith inspiriert hat: Judith schlägt dem Feldherrn Holofernes mit ihrem Schwert den Kopf ab. Ob Caravaggio, Michelangelo, Tintoretto oder Rubens: Seit dem 15. Jahrhundert sind Maler fasziniert von dieser Frau, die die Bibel als schön und verführerisch beschreibt. Je später die Darstellung, desto weniger bekleidet wird die Witwe mit dem abgeschlagenen Männerhaupt dargestellt. Dabei ist Judith nicht nur schön und verführerisch. Der Text beschreibt sie als klug und redegewandt, wenn sie Holofernes versichert: „Ja, Gott hat mich gesandt, damit ich mit dir die Dinge vollbringe, über die alle Welt, wenn sie davon erfährt, in Staunen gerät“ (Judith 11,16).
Was Judith hier auszeichnet und sie zu einer wichtigen Frauenfigur für das Judentum macht, ist ihre Frömmigkeit. Der tiefe Glaube dieser Witwe, die ihrem Gott nahe sein will und die den Glauben des Volkes Gottes wiederspiegelt, ist der rote Faden des Buches Judith. Der Glaube bricht sich am Ende in einem Jubellied Bahn: Wie Mirjam und Mose, die den Zug der Israeliten durch das Meer feiern, feiern Judith und die Frauen ihren Sieg – den Sieg derjenigen, die unter allen Umständen Gott vertrauen und ihre Klugheit und Schönheit für Gott einsetzen.

