Der Priester soll das geweihte Heiligtum, das Offenbarungszelt und den Altar entsühnen;
dann soll er die Priester und das ganze Volk der Gemeinde entsühnen.
Das soll für euch als feste Regel gelten:
Einmal im Jahr sollen die Israeliten von allen ihren Sünden entsühnt werden.
Levitikus/3. Mose 16-33-34a

Ein Mann im Gewand hantiert am Altar. Der Rücken ist der Gemeinde zugewandt. Er bereitet sich vor. Wie jeden Sonntag. Es ist routiniert. Die Bewegungen sind einstudiert. Gemeinsam mit anderen entsteht eine Art Choreographie. In den besten Momenten sieht es mehr nach einem Tanz aus als nach einem Gottesdienst. Und dann kommen die Gläubigen und empfangen zur Vergebung der Sünde, wie es heißt. Und wieder: Alles auf Anfang. Beschwingt gehe ich hinaus.
Was vom alten Ritus, der im heutigen Bibeltext beschrieben wird, übriggeblieben ist, kann ich in der sonntäglichen Feier erahnen: priesterliches Handeln. Egal ob katholisch oder evangelisch.
Der Priester erklärt, dass die Kluft zwischen Mensch und Gott zugeschüttet ist. Denn nichts ist schlimmer, als im Ungewissen gelassen zu werden. Wer es braucht, dieses Ritual, diesen Zuspruch, der soll es bekommen und alle sollen wissen, wo sie es bekommen.
Je mehr wir uns dem dunkelsten Punkt des Jahres nähern, desto mehr Lichter machen wir an. Jedes Jahr.
Die Eltern entzünden heute die zweite Kerze. Und wenn die Kinder alt genug sind, dürfen sie das machen.
Gemeinsam wird erklärt:
Es wird nicht immer dunkel sein! Und jeder soll es verlässlich sehen können. Wohltuendes Ritual. Jeder wird jedem zum Priester – Eltern und Kinder.
Wir warten auf einen, der uns sagt: Die Kluft zwischen Mensch und Gott ist zugeschüttet. Jedes Jahr brauchen wir das! Auch wenn wir ahnen: Das ist eigentlich schon lange so!
Wir warten auf einen, der uns sagt: Die Kluft zwischen Mensch und Gott ist zugeschüttet. Jedes Jahr brauchen wir das! Auch wenn wir ahnen: Das ist eigentlich schon lange so!

