Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.
Es begegnen einander Huld und Treue;
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
Treue sprosst aus der Erde hervor;
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.
Auch spendet der Herr dann Segen
und unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor ihm her
und Heil folgt der Spur seiner Schritte.
Psalm 85, 10-14

1853 erscheint der Roman „Vilette“ von Charlotte Brontë. Die Heldin Lucy Snowe hat ihre Familie verloren, ist Lehrerin in einem strengen Mädchenpensionat und hat in den Augen ihrer Schülerinnen „keine attraktiven Eigenschaften“. Nur die Hoffnung auf strahlendes Glück trägt sie in sich: „Das Glück ist keine Kartoffel, die man in den Boden setzt und mit Dünger behandelt. Das Glück ist etwas Prächtiges, das vom Himmel auf uns herabscheint.“
Psalm 85 fragt nach mehr als Glück: Heil geht tiefer, Herrlichkeit greift weiter. Und doch sucht der Psalm ganz nah, in unserem Land, in dem wir auch nach Kartoffeln suchen. Facetten von Gottes Heil und Herrlichkeit treten als Figuren in den Psalm. Die Begegnung von Huld und Treue ließe sich ausmalen: Sind sie zwei alte Menschen, die ihr Leben lang zusammen gehalten haben, auch wenn es ganz schlimm kam? Gerechtigkeit und Frieden tauschen einen wunderbaren Kuss. Gerechtigkeit blickt vom Himmel – ähnlich wie bei Lucy Snowe – und aus der Erde sprosst Treue wie eine ertragreiche Kartoffelpflanze.
Da tritt Gott in die Szene, Seite an Seite mit dem Land. Segen und Ertrag kommen von ihnen und stärken Seele und Körper. Vor Gott geht die Gerechtigkeit – die Wegbereiterin? Hinter ihm das Heil, das der Erde so nah ist, weil wir es durch unser Miteinander, unsere Fürsorge, unsere Treue, unsere Küsse nähren können.

