War das nötig?

Impuls für den 7.12.2015

Ich habe bei mir geschworen – Spruch des Herrn: Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.
Genesis 22, 16-18

War das wirklich notwendig? Musste Gott von Abraham verlangen, dass er seinen einzigen Sohn opfern sollte? Und ist das dann eine angemessene Belohnung, die ihm hier versprochen wird? Nachkommen ohne Zahl, wenn Abraham doch den einen Nachkommen, den er am meisten liebte, beinahe verloren hätte?

Je öfter ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich mir sicher: Nicht Gott braucht diesen Vertrauensbeweis, sondern Abraham ist derjenige, der erkennt: Ich kann mich auf diesen Gott wirklich verlassen, er lässt mich auch in tiefster Not nicht im Stich, er begleitet meinen Lebensweg und führt ihn an ein gutes Ende. Auf ihn kann ich in jeder Situation setzen!
Aber noch einmal: War es dafür wirklich notwendig, dieses große Opfer zu fordern?

Auch Gott selbst ist bereit, seinen Sohn zu opfern, ihn hinzugeben für alle anderen Menschen. Und auch diesen Opfertod braucht nicht Gott. Wir Menschen brauchen ihn, wir brauchen die Hingabe Jesu, damit wir neu einen Weg zu Gott finden können. Der Segen Gottes, den er Abraham, seinen Nachkommen und allen Völkern verheißen hat: Er soll wieder spürbar werden unter den Menschen, die sich abgewendet haben, die ihr Vertrauen in anderes setzen.

Wir brauchen dieses Opfer, damit uns wieder bewusst wird, was Gott in uns sieht: seine Kinder, denen er in jeder Not und Schwierigkeit nahe sein will, denen er Segen in Fülle schenkt – jeden Tag, ganz unverdient.

Autor / Autorin
Anja Dörner

Pastoralreferentin und Religionslehrerin, Erzdiözese Freiburg

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