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Perspektivwechsel

Impuls für den 12.12.2018

Er war Gott gleich, / hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entäußerte sich / und wurde wie ein Sklave / und den Menschen gleich. / Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich / und war gehorsam bis zum Tod, / bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht / und ihm den Namen verliehen, / der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde / ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt: / „Jesus Christus ist der Herr“–- / zur Ehre Gottes, des Vaters. (Phil 2,6 - 11)
 
Quelle: Quelle: unsplash.com/@nicotitto
 
Gruppenreise mit der Bahn. Gemeinsam mit Freunden betrete ich das reservierte Abteil. Darin sitzt ein Mann. Auf Englisch bitte ich ihn, sich einen anderen Platz zu suchen. Erst als er hinausgegangen ist, frage ich mich, warum ich ihn nicht auf Deutsch angesprochen habe. Antwort: Weil er Schwarz war. Offenbar bin ich nicht auf die Idee gekommen, dass er Deutscher sein oder meine Muttersprache verstehen könnte. Ich erschrecke über mich selbst: Wie viele Vorurteile habe ich, ohne sie haben zu wollen? Und wie hat dieser Fahrgast die Situation wohl erlebt?

Der Perspektivwechsel fällt mir schwer, weil vergleichbare Erfahrungen fehlen. Mir fällt ein, wie ich in Tansania als Weiße durch ein Dorf ging, wo unsere Familie eine Woche lang zu Gast war. „Mzungu!“ „Weiße!“, riefen mir die Kinder nach, allerdings immer noch mit Respekt und positiver Erwartung. Menschen anderer Hautfarbe ergeht es ‚unter Weißen‘ oft ganz anders. In vielen Bereichen erfahren sie systematische Ausgrenzung, Gewalt und Machtlosigkeit. Kann ich das überhaupt nachvollziehen?

Gott aber vollzieht den Perspektivwechsel mit dem ganzen Dasein, „entäußerte sich und wurde den Menschen gleich.“ Gott erlebt und erleidet mit Haut und Haar, was wir erleben und erleiden. An Weihnachten werden wir die göttliche Menschwerdung feiern und besingen: „Jesus! In deiner Geburt!“

Soweit wie Gott können wir nicht aus unserer Haut heraus. Aber wir können in seinen, in ihren Spuren leben und Nachfolge üben. Warum nicht ein Perspektivwechsel vor Weihnachten: Wie geht es mir, wenn ich in deiner Haut steckte? Und wie denkst du, dass es sei, in meiner Haut zu leben? Ich meine, da könnten wir Überraschendes entdecken.
Autor / Autorin
Quelle: Autor / Autorin
Sabine Kast-Streib

Direktorin des Zentrums für Seelsorge (ZfS) und Leitung der Abteilung Seelsorge, Evangelische Landeskirche in Baden

Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info[at]advent-online[dot]de