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Verwandelt

Impuls für den 20.12.2018

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr uns vom Grimme befreyt,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß!
Aller Welt Schonung verhieß!

Quelle: Quelle: unsplash.com/@redaquamedia

Ein Zeitsprung! Vom Advent heute schickt mich diese Liedstrophe in vorgeschichtliche Zeiten, ja: in „urgraue Zeit“, also in jene Erzählepoche der Bibel, die noch vor den Erzeltern liegt. Noah und seiner namenlosen Frau begegne ich da. Der Schonung seiner Familie und einer Anzahl Belegexemplare an Tieren, während die übrige Kreatur in der Sintflut ertrinkt. Anlass: der Mensch! Denn „alles Dichten und Trachten ihres Herzens war böse immerdar“ (Gen 6, 5).

Aber mit Noahs Familie und den geretteten Tieren fängt Gott nach der Sintflut nochmal von vorne an. In Noah schließt Gott einen Bund mit allen nachkommenden Lebewesen. Gott weiß, dass das Herz des Menschen von Jugend an auch für das Böse offen ist: Dennoch verheißt Gott mit diesem Bund „aller Welt Schonung“. Der Regenbogen ist unser Zeichen: „Vom Grimme“ Gottes sind wir befreit.

Dem Grimm unter uns Menschen bleiben wir jedoch ausgesetzt. Dem Grimm in Form endloser Kreisläufe aus Verletzung, Kränkung, Wut und Vergeltung. Ausgesetzt sind wir gleichzeitig unserer großen Sehnsucht nach Frieden, nach einer Liebe, die größer ist als unser Schmerz und unsere Wut.

Genau diese Sehnsucht will Gott mit der Geburt Jesu stillen. Auf leise, unaufdringliche Weise. Nicht indem die Herrschaftsregime der Welt hinweggefegt werden. Das würde nur neues Leid auslösen. Mit Jesu Geburt hat jeder Mensch in jeder Zeit die Möglichkeit, diesen Menschen Jesus im eigenen Herzen so groß werden zu lassen, dass die Bosheit „von Jugend an“ (Gen 8,21) nichts mehr ausrichtet.

Mit diesem Jesus im Herzen knüpfen wir wiederum an „urgraue“ Zeiten an – an den Menschen als Ebenbild Gottes, wie er ursprünglich gedacht ist. An den Menschen, der so aus der Liebe lebt, dass die Spiralen des Hasses unterbrochen werden und tiefste Verletzungen heilen können. Bis sich auch Menschen-Grimm in Liebe verwandelt.

Autor / Autorin
Quelle: Niethammer Ute
Ute Niethammer

Pfarrerin, Evangelische Landeskirche in Baden

 Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info[at]advent-online[dot]de